Geschichte

Wie das Fräulein vom Amt Anrufe von Hand verband

Eine Vermittlungsstelle, früher Fernsprechamt oder kurz Amt, ist das Gebäude, in dem die Telefonleitungen einer Stadt zusammenlaufen, damit sich je zwei von ihnen für ein Gespräch verbinden lassen. Bevor Maschinen übernahmen, erledigten Telefonistinnen das von Hand, an einem Vermittlungsschrank. Sie nahmen den Hörer ab, das Fräulein vom Amt fragte „Nummer, bitte?“ und steckte eine Schnur zwischen Ihre Leitung und die gewünschte. Das erste kommerzielle Amt öffnete 1878 in New Haven, Connecticut, und Londons letztes handbedientes Amt arbeitete bis 1960. Heute verbindet Software.

ZUR STADTSIE · 23FERNSPRECHAMTBATTERIE12FERNGESPRÄCHEIHR FREUND · 47
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Lila: Ihr Anruf und alles, was er nutztLegende
  • Lila: Ihr Anruf und alles, was er nutzt
  • Leuchtende Lampe: eine Leitung ruft das Amt
  • Gefallene Klappe: eine Leitung ruft das Amt
  • Abgenommener Hörer: im Gespräch

1920er · Zentralbatterie · alle Leitungen still

Drücken Sie einen Knopf oder klicken Sie auf Ihr Telefon, um den Hörer abzunehmen.Drücken Sie einen Knopf oder tippen Sie auf Ihr Telefon, um den Hörer abzunehmen.

In beiden dieselben Schritte. Geändert hat sich, wie Sie die Telefonistin rufen und woher der Strom kommt.

Anatomie der Handvermittlung: ein Anruf durch ein handbedientes Fernsprechamt der 1920er Jahre und der 1880er Jahre. Die Zeichnung ist nicht maßstabsgetreu.

  1. Folgen Sie einem Anruf

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  2. Schritt 1 von 6

    Sie nehmen den Hörer ab

    Sie wollen Ihren Freund anrufen, Nummer 47. In den 1920er Jahren nehmen Sie nur den Hörer vom Haken. Dadurch fließt Strom aus der Batterie des Amts durch Ihre Leitung, und über Ihrer Klinke am Schrank der Telefonistin leuchtet eine kleine Lampe auf. In den 1880er Jahren drehen Sie zuerst die Kurbel an der Seite Ihres Telefons. Die Kurbel schickt einen Rufstrom durch den Draht, und über Ihrer Klinke fällt eine kleine Klappe, die Anrufklappe.

    Wozu brauchte das Telefon der 1880er Jahre eine Kurbel und Batterien?

    Die Kurbel dreht einen kleinen Generator im Telefon, den Kurbelinduktor. Sein Strom löst im Amt die Klappe aus. Die Batterien im Kasten unter dem Telefon versorgten Ihr Mikrofon.

    Ab Ende 1893 eröffnete das Bell System Ämter mit Zentralbatterie, in denen eine einzige Batterie im Amt jede Leitung versorgte. Den Hörer abzunehmen genügte als Signal, und Kurbel und Batterien verschwanden aus dem Haus.

    Quellen: Bell Telephone Laboratories: a history of engineering and science in the Bell System, the early years (1975)

  3. Schritt 2 von 6

    Die Telefonistin fragt: „Nummer, bitte?“

    Eine Telefonistin sieht Ihre Lampe oder Ihre gefallene Klappe und steckt den Abfragestöpsel eines Schnurpaars in Ihre Klinke. Dann legt sie einen Schalter um, damit ihr Kopfhörer auf Ihrer Leitung liegt, und fragt, welche Nummer Sie wünschen. In den 1920er Jahren erlischt Ihre Lampe, sobald ihr Stöpsel steckt. Sie sagen 47. Unten sehen Sie ihren Platz von innen.

    Ein Arbeitsplatz von innen Der Platz

    1. 1Anruflampe
    2. 2Klinken
    3. 3Abfragestöpsel
    4. 4Verbindungsstöpsel
    5. 5Schlusslampen
    6. 6Schalter

    10.000 Klinken und mehr konnten in Reichweite einer einzigen Telefonistin liegen, eine für jede Leitung im Amt.

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    1. 1Anrufklappe
    2. 2Klinken
    3. 3Abfragestöpsel
    4. 4Verbindungsstöpsel
    5. 5Schlussklappe
    6. 6Schalter

    Wie viele Leitungen betreute eine Telefonistin?

    Etwa 100, rechnete ein Lehrbuch von 1905. Bei den belebtesten Geschäftsanschlüssen konnten es nur 10 sein, und wo selten jemand telefonierte, bis zu 400.

    Die ersten Telefonisten waren Männer und Jungen. 1881 lösten junge Frauen sie bereits ab, hält die hauseigene Geschichte des Bell System fest.

    Quellen: Kempster B. Miller: American telephone practice (1905); Bell Telephone Laboratories: a history of engineering and science in the Bell System, the early years (1975)

  4. Schritt 3 von 6

    Die Telefonistin prüft Klinke 47 und steckt ein

    Über ihren Abfrageklinken liegt ein Feld mit einer Klinke für jede Leitung im Amt, Nummer 47 eingeschlossen. Bevor sie einsteckt, tippt sie mit der Stöpselspitze an den Rand von Klinke 47. Ein Knacken im Kopfhörer heißt, dass Ihr Freund schon telefoniert. Kein Knacken, und sie steckt den Verbindungsstöpsel ein.

    Wer hat sich das Knacken ausgedacht?

    Charles Scribner von Western Electric, um 1883. Vor seiner Besetztprüfung brauchte ein Amt eine eigene Tafel, die zeigte, welche Leitungen belegt waren.

    Das Klinkenfeld heißt Vielfachfeld. Jede Leitung taucht an jedem Platz wieder auf, so erreicht jede Telefonistin jede Leitung von ihrem Hocker aus. Spätere Schränke brachten mehr als 10.000 Klinken in die Reichweite einer einzigen Telefonistin.

    Quellen: Bell Telephone Laboratories: a history of engineering and science in the Bell System, the early years (1975)

  5. Schritt 4 von 6

    Es läutet bei Ihrem Freund, und er meldet sich

    Die Telefonistin drückt den Schalter in die andere Richtung. Rufstrom fließt aus dem Amt über die Masten in das Haus Ihres Freundes, und das Läutewerk an der Wand schlägt an. Ihr Freund nimmt den Hörer ab, und Sie beide sprechen über das Schnurpaar der Telefonistin.

    Woran sah sie, dass Sie fertig waren?

    Am Schrank der 1920er Jahre hat jeder Stöpsel des Paars eine kleine Lampe auf der Tischplatte. Sie bleibt dunkel, solange der Hörer dieser Person abgenommen ist, und leuchtet, wenn sie auflegt. So sieht die Telefonistin, wann Ihr Freund sich meldet und wann einer von Ihnen beiden auflegt.

    Mit diesen Signalen, so die Geschichte des Bell System, bestand 1900 jeder Anruf nur noch aus zwei Stöpseln und einem Schalter.

    Quellen: Bell Telephone Laboratories: a history of engineering and science in the Bell System, the early years (1975)

  6. Schritt 5 von 6

    Sie legen auf, und die Telefonistin zieht die Schnüre

    Wenn Sie in den 1920er Jahren beide auflegen, leuchten die zwei Schlusslampen, und die Telefonistin weiß, dass das Gespräch vorbei ist. In den 1880er Jahren drehen Sie noch einmal die Kurbel, um abzuläuten, und auf ihrer Tischplatte fällt eine Klappe. Die Telefonistin zieht beide Stöpsel, und Gewichte unter der Tischplatte holen die Schnüre an ihren Platz zurück, bereit für den nächsten Anruf.

    Wie viele Telefonistinnen brauchte das alles?

    1902, als sich die Schränke mit Zentralbatterie ausbreiteten, beschäftigte das Bell System rund 30.000 Telefonistinnen, etwa 22 auf 1.000 Telefone.

    Bis zum Ersten Weltkrieg waren es etwa 100.000. Bessere Schränke hatten den Anteil auf etwa 15 pro 1.000 Telefone gesenkt, aber es gab weit mehr Telefone.

    Quellen: Bell Telephone Laboratories: a history of engineering and science in the Bell System, the early years (1975)

  7. Schritt 6 von 6

    Ein Ferngespräch braucht mehr Telefonistinnen

    Für einen Anruf in die Stadt gibt Ihre Telefonistin den Anruf an den Fernplatz am Ende des Schranks weiter. Die Telefonistin dort schreibt den Anruf auf einen Gesprächszettel, stöpselt die Fernleitung ein, eine Leitung zwischen zwei Ämtern, und ruft das Amt der Stadt an, wo eine weitere Telefonistin die gewünschte Nummer anläutet. 1920 dauerte das im Bell System im Schnitt 13 Minuten.

    Warum dauerte das so lange?

    Zum Teil wegen der Zettel. Die Telefonistinnen schrieben jeden Anruf auf und stoppten seine Dauer, und in großen Ämtern wanderten die Zettel auf Förderbändern oder mit Boten von Platz zu Platz, manche Boten auf Rollschuhen.

    Ab etwa 1925 erledigte eine einzige Telefonistin den ganzen Anruf, statt ihn zwischen Spezialistinnen weiterzureichen, und sie meldete sich mit den Worten „Long Distance“. 1929 war der Schnitt auf 2,6 Minuten gesunken.

    Quellen: Bell Telephone Laboratories: a history of engineering and science in the Bell System, the early years (1975)

Ein Platz von innen: die 1880er- und die 1920er Jahre

Die Handgriffe der Telefonistin blieben gleich: sich melden, fragen, prüfen, einstecken, anläuten, Schnüre ziehen. Geändert hat sich, wie der Anruf sie erreicht und woher der Strom kommt.

Der Teil des Schranks, an dem eine Telefonistin arbeitet, zerlegt in der Reihenfolge, in der sie ihn benutzt. Zeigen Sie auf ein Teil oder tippen Sie darauf, um zu sehen, was es tut.

Klappenschrank, 1880er Jahre

Schrank mit Zentralbatterie, 1920er Jahre

Der Platz

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  1. 1Anrufklappe
  2. 2Klinken
  3. 3Abfragestöpsel
  4. 4Verbindungsstöpsel
  5. 5Schlussklappe
  6. 6Schalter

Der Platz

  1. 1Anruflampe
  2. 2Klinken
  3. 3Abfragestöpsel
  4. 4Verbindungsstöpsel
  5. 5Schlusslampen
  6. 6Schalter

10.000 Klinken und mehr konnten in Reichweite einer einzigen Telefonistin liegen, eine für jede Leitung im Amt.

Wie Sie die Telefonistin rufenBell Telephone Laboratories

Kurbel drehen

Ihr Telefon schickt einen Rufstrom

Hörer abnehmen

Ihn vom Haken zu nehmen genügt als Signal

Was die Telefonistin siehtBell Telephone Laboratories; Kempster B. Miller

Eine Klappe

Sie fällt über Ihrer Klinke

Eine Lampe

Sie leuchtet über Ihrer Klinke

Strom für Ihre StimmeBell Telephone Laboratories

Bei Ihnen zu Hause

Batterien in einem Kasten unter dem Telefon

Im Amt

Eine Batterie für alle Leitungen

Wenn das Gespräch endetBell Telephone Laboratories

Sie läuten ab

Noch einmal kurbeln, und eine Klappe an der Schnur fällt

Lampen leuchten

Die Schlusslampen leuchten, wenn Sie auflegen

Handvermittlung in Zahlen

Wie es dazu kam

  1. 1878

    Das erste Amt

    Am 28. Januar nimmt George Coys New Haven District Telephone Company in Connecticut den Betrieb auf. Ihr Vermittlungsschrank verbindet 21 Teilnehmer, die je 1,50 Dollar im Monat zahlen.

    University of Connecticut Archives: the switchboard that launched the first public telephone company (2011)

  2. 1880

    Schnüre auf dem Tisch

    Der Vermittlungsschrank „Standard“ bringt eine Tischplatte mit Schaltern vor die Telefonistin, dazu Schnüre mit einem Stöpsel an jedem Ende, die Gewichte an ihren Platz zurückziehen. Jeder handbediente Schrank danach behält diese Tischplatte.

    Bell Telephone Laboratories: a history of engineering and science in the Bell System, the early years (1975)

  3. 1881

    Frauen am Schrank

    Junge Frauen lösen die Männer ab, die die ersten Schränke bedienten. Ein Gestell, das das Mikrofon der Telefonistin auf ihrer Schulter trug, wiegt 6 US-Pfund, etwa 2,7 kg. Für sie ist das zu schwer, und Ingenieure suchen nach leichteren Geräten.

    Bell Telephone Laboratories: a history of engineering and science in the Bell System, the early years (1975)

  4. 1891

    Eine Maschine statt Menschen

    Almon Strowger aus Kansas City erhält ein Patent auf eine automatische Vermittlungsstelle, die einen Anruf ohne Telefonistin verbindet.

    US Patent 447,918: Strowger, automatic telephone-exchange (1891)

  5. 1893

    Strom aus dem Amt

    Ende des Jahres öffnen die ersten Ämter mit Zentralbatterie. Eine Batterie im Amt versorgt jede Leitung, und ab 1894 ersetzen kleine Lampen nach und nach die Klappen am Schrank.

    Bell Telephone Laboratories: a history of engineering and science in the Bell System, the early years (1975)

  6. 1960

    Londons letztes Handamt

    Am 5. Oktober ist der Vermittlungsschrank in Enfield, seit 1925 in Betrieb, zum letzten Mal im Einsatz. Es war das letzte handbediente Amt in London, und Enfield wurde 1961 automatisch.

    Science Museum Group: CB1 manual switchboard from the Enfield telephone exchange, 1925 to 1960

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